Das weiße Grauen
Letzte Woche war Wintereinbruch in Deutschland. Plötzlich rutschten die Temperaturen in Minusbereiche, die moderne Thermometer gar nicht mehr anzeigen konnten, weil es die letzten Winter so warm war und man solche Geräte einfach nicht brauchte.
Im Kölner Raum hatten wir den “schlimmsten” Winter seit 1991. Nicht dass ich mich wirklich dran erinnern kann, ich war damals zarte 5 Jahre jung. Ich kann mich aber auch nicht erinnern, wann wir das letzte mal über 10 Zentimeter Neuschnee hatten. Dieser fiel in der Nacht von Sonntag, dem 4.1. auf Montag, den 5.1. diesen Jahres. Und er fängt erst jetzt an abzutauen. Mitte letzte Woche hatten wir Nachts -20°C. Also Oarschkalt!
Inzwischen liegen die Temperaturen wieder in humaneren Bereichen bei +6°C.
Aber darum sollte es eigentlich gar nicht in dem Beitrag gehen. Viel mehr darum, dass so ein Winter einem jedes mal aufs neue vor Augen führen kann, dass man älter wird. Nicht weil man weiß “Hey es ist Winter, ein Jahr ist rum, ich bin alt”. Das ganze ist eher ein mentales Problem.
Ich denke jedes Kind im Alter von 1 bis 13 Jahren - ich gehe einfach mal davon aus, das einjährige Kinder allein im Schnee tollen können - liebt den Winter. Besonders dann, wenn es schneit. Denn mit diesem weißen Zeug kann man ja so einiges anstellen. Schneemänner bauen, Eisengel formen, unanständige Wörter pinkeln und Schneeballschlachten auf dem Schulhof austragen.
Doch leben wir hier in der Köln/Bonner-Bucht. Hier ist es einfach zu warm für einen ordentlichen Winter. Demnach hat man meistens nur für ungefähr eine große Pause etwas vom Schnee. Gegen Mittag ist von dem weißen Wunderpulver *hust* nur noch ein grau-schwarzer Haufen kalte Matsche über. Natürlich war man dann immer enttäuscht, weil man während des Unterrichts diabolische Pläne für den Nachmittag geschmiedet hat. Das funkeln in den Augen nach dem aufstehen, als man den Schnee entdeckte, ist erloschen.
Schaut man sich jetzt mal einen Erwachsenen an, entdeckt man das genaue Gegenteil vom Kind. Steht man morgens grummelnd auf und sieht, dass draußen alles weiß ist, geht die Stimmung erst richtig in den Keller. Öffentliche Verkehrsmittel werden Verspätungen haben, Autofahrer verlernen mit einen mal wie so ein Gefährt zu bedienen ist, Kinder kreischen noch lauter als normal und überall ist es einfach nur nass und kalt.
Und im Kopf ist uns schon bewusst, wo das hinführen wird. Zu dieser grau-schwarzen Masse am Nachmittag und zu viel Futter für you know what sucks.
Als Kind freut man sich wie blöd wenn es schneit und ist so traurig, wenn der Schnee schmilzt, als wäre die eigene Oma überfahren worden. Dabei ist es egal, ob er nach zwei Stunden verschwindet oder erst nach Tagen.
Als Erwachsener möchte man die ganze Welt beleidigen wenn Schnee liegen bleibt und hofft, dass er nach zwei Stunden wieder von den Strassen und Gehwegen verschwunden ist. Denn nichts nervt mehr, wenn man am Bahnhof durchsagen hören muss wie “Wegen witterungsbedingten Störungen [...]” von einer Firma die einst mit dem Slogan warb Alles redet vom Wetter, nur wir nicht oder wenn man wie wild auf die Bremse tritt und das Auto bufft trotzdem in das was vor einem steht.
Ich persönlich schwitze mir lieber den Arsch ab und stinke dann wie ein Zwerg nach einem Saufgelage als zu frieren.
Ich persönlich weiß dann, dass ich kein Kind mehr bin. Und folgendes trifft für alle zu, egal ob man mit 14 anfängt oder erst mit 38. Erwachsen wird man, wenn man anfängt den Schnee zu hassen.

